Bauen mit recyceltem Kunststoff: Möglichkeiten für Geländer, Giebel und Carport

Recycelte Kunststoffe finden zunehmend Verwendung im Bauwesen – als langlebige, pflegeleichte Alternative zu Holz oder Metall. Besonders bei Terrassen, Carports und Fassadenteilen bieten sie neue gestalterische und funktionale Möglichkeiten.

Moderne Verbundwerkstoffe auf Kunststoffbasis ersetzen heute in vielen Baubereichen klassische Materialien. Wer damit plant, profitiert von Witterungsbeständigkeit, Wartungsfreiheit und nachhaltiger Kreislaufwirtschaft.

Was ist recycelter Baustoff-Kunststoff?



Recycelter Kunststoff im Bauwesen stammt meist aus industriellen Produktionsresten, Altmaterialien (z. B. Verpackungen, Fensterrahmen) oder Mischkunststoffen. Durch spezielle Verfahren wird daraus ein wiederverwertbares Material mit definierter Festigkeit, UV-Beständigkeit und Bearbeitbarkeit hergestellt.

  • WPC (Wood-Plastic-Composite): Mischung aus Kunststoff und Holzfasern
  • Vollkunststoff-Profile aus Polyethylen oder Polypropylen
  • Recyclingkunststoffe mit mineralischen Füllstoffen für erhöhte Formstabilität

Diese Materialien sind formstabil, verrottungssicher und splitterfrei – ideal für Aussenbereiche, wo Holz an seine Grenzen stösst.


Tipp: Recycelte Kunststoffelemente immer mit UV-stabilisierter Oberfläche wählen – das verhindert Versprödung und Farbveränderung

Einsatzbereiche: Geländer, Carport, Giebel und mehr

Die Einsatzmöglichkeiten reichen von kleinen Bauteilen bis zu tragenden Strukturen. Besonders häufig findet man Recyclingkunststoffe in folgenden Bereichen:

  • Terrassengeländer: langlebig, splitterfrei, farbstabil
  • Giebelverkleidung: pflegeleicht, leicht montierbar, kein Nachstreichen
  • Carport-Elemente: Pfostenverkleidungen, Seitenwände, Dachrandprofile
  • Zaunelemente: blickdicht, wetterfest, individuell zuschneidbar
  • Balkonbeläge: meist als WPC-Dielen – mit Holzoptik, aber kunststofftypischer Haltbarkeit

Tipp: Bei Balkon- oder Terrassengeländern auf statische Zulassungen achten – nicht jeder Kunststoff ist tragfähig genug für absturzsichernde Konstruktionen

Dank hoher Formtreue lassen sich diese Bauteile einfach montieren – oft mit handelsüblichen Schraubsystemen oder Steckverbindungen.


Terrasse aus HPC Holz-Plastik-Komposit Teilen

Thermische Stabilität und Farbbeständigkeit

Recycelte Kunststoffe verhalten sich temperaturabhängig – besonders bei starker Sonneneinstrahlung oder dunklen Farboberflächen. Während einfache Kunststoffe sich verformen können, bieten hochwertige Materialien gezielte Verbesserungen.

  • Temperaturbereich: formstabil bis ca. 70 °C – abhängig vom Füllstoff und der Bauteildicke
  • Dunkle Farbtöne heizen sich stärker auf – Ausdehnung muss bei der Montage berücksichtigt werden
  • Verzugsschutz durch metallische Innenverstärkung – häufig bei Geländerpfosten oder Trägerprofilen

In kritischen Bereichen – z. B. bei freistehenden Geländern, auf stark besonnten Dachterrassen oder bei langen Bauteilen – empfehlen sich Profile mit integriertem Aluminiumkern oder Querversteifung. Dadurch wird eine dauerhafte Formfestigkeit auch bei grosser Wärme gewährleistet.

Hochwertige Recyclingkunststoffe bleiben über Jahre farbecht. Die Pigmentierung erfolgt durchgängig im Materialkern, UV-stabilisierte Oberflächen verhindern Vergilben, Kreiden oder Verblassen – selbst bei intensiver Sonneneinstrahlung.

  • Farbänderung unter 5 % nach 5 Jahren bei Qualitätsprodukten
  • Oberflächen mit UV‑Beschichtung oder Co‑Extrusion besonders widerstandsfähig
  • Ideal für Fassadenverkleidungen, Balkonumwehrungen und Aussenanlagen

Tipp: Bei Terrassen und Fassaden dunkle Farbtöne nur mit konstruktivem Schatten oder belüfteter Montage kombinieren – das verhindert thermisch bedingten Verzug

Bearbeitung: Bohren, Sägen, Verschrauben

Recyclingkunststoffe lassen sich ähnlich bearbeiten wie Holz – mit geringfügig angepassten Werkzeugen. Wichtig sind scharfe Klingen und geringe Schnittgeschwindigkeiten.

  • Sägen: mit Hartmetall-bestückten Kreissägen oder Stichsägen – langsame Vorschubgeschwindigkeit
  • Bohren: mit Holz- oder Metallbohrern – kein Vorbohren bei weichen Materialien nötig
  • Schrauben: rostfreie Edelstahlschrauben mit Flachkopf oder Gewinde speziell für Kunststoff
  • Kleben: nur mit dafür zertifizierten PU- oder MS-Polymer-Klebstoffen – je nach Herstellerfreigabe

Die Materialien sind schwer entflammbar und oft durchgefärbt – ein Nachstreichen ist nicht erforderlich. Farb- und Strukturvielfalt reicht von schiefergrau über braun bis weiss – in glatter oder genarbter Oberfläche.


Tipp: Bei Hohlprofilen unbedingt auf geschlossene Enden achten – offenes Material zieht Feuchtigkeit und verliert an Stabilität

Kosten und Verfügbarkeit

Im Vergleich zu Holz oder Aluminium liegen Recyclingkunststoffe im mittleren bis oberen Preisbereich – gerechnet auf die Lebensdauer aber oft günstiger, da praktisch wartungsfrei.

  • Terrassendiele aus WPC: 60–120 CHF/m², je nach Stärke und Struktur
  • Geländersystem aus Vollkunststoff: ab 160 CHF/lfm (komplett mit Trägern und Geländerstäben)
  • Zaunelemente: ca. 100–200 CHF pro Modul (180×90 cm)
  • Verkleidung für Carport oder Giebel: 50–90 CHF/m², je nach Plattenstärke

Erhältlich sind die Systeme bei spezialisierten Baumaterialhändlern, im Garten- und Fassadenbau sowie direkt beim Hersteller. Viele Anbieter bieten Zuschnittservice und Montagesets.


Tipp: Bei grösseren Projekten auf Schweizer Anbieter mit EPD-Nachweisen (Umweltdeklaration) setzen – das sichert Materialqualität und Herkunft

Fazit: Recycelter Kunststoff ist funktional und nachhaltig

Bauen mit Recyclingkunststoff schont Ressourcen, reduziert Pflegeaufwand und eröffnet gestalterische Freiheiten. Ob als Geländer, Verkleidung oder Zaunelement – das Material überzeugt durch Wetterbeständigkeit, Formstabilität und Langlebigkeit.

  • Für Aussenbereiche geeignet: UV-stabil, feuchteunempfindlich, rutschfest
  • Einfach zu montieren und zu pflegen
  • Geringere Lebenszykluskosten durch Wartungsfreiheit und Haltbarkeit

 

Quelle: bauenaktuell.ch-Redaktion
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