Basels Osttangente: So wird eine der meistbefahrenen Autobahnen erneuert

Sie ist nur knapp sechs Kilometer lang und dennoch eine der wichtigsten Verkehrsadern der Schweiz. Täglich benutzen bis zu 125’000 Fahrzeuge die Basler Osttangente. Nach mehr als 40 Betriebsjahren wird der dicht befahrene A2-Abschnitt umfassend erneuert – während der Verkehr weitgehend weiterrollt.

Brücken, Fahrbahnen, Tunneltechnik und Lärmschutz müssen heutigen Belastungen und Sicherheitsanforderungen angepasst werden. Das Bundesamt für Strassen ASTRA unterteilt die Arbeiten deshalb in 17 Projektelemente. Die Gesamtsanierung läuft seit 2014 und soll voraussichtlich 2029 abgeschlossen werden.

Eine Autobahn mitten im Basler Stadtgebiet

Die Osttangente führt vom Raum der Verzweigung Gellert bis zur Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Sie verbindet die A2 aus Richtung Luzern und Bern mit dem deutschen Autobahnnetz. Gleichzeitig nimmt sie regionalen Verkehr auf, der zwischen den Basler Quartieren, den Industriegebieten, dem Hafen, dem grenznahen Umland und den Nachbarländern unterwegs ist.

Diese Überlagerung macht den Abschnitt besonders anspruchsvoll. Pendlerverkehr trifft auf internationale Personenwagen, Lieferfahrzeuge und schwere Lastwagen. Zahlreiche Ein- und Ausfahrten liegen auf engem Raum. Hinzu kommen Brücken, Rampen, Unterführungen, die aufgeständerte Schwarzwaldallee und der Tunnel Schwarzwald.

Das ASTRA zählt die Osttangente zu den am stärksten befahrenen Autobahnabschnitten der Schweiz. Eine länger dauernde vollständige Sperrung wäre praktisch nicht möglich. Der Verkehr würde sich grossräumig verlagern und gleichzeitig die städtischen Strassen stark belasten.


Die Basler Osttangente bewältigt täglich bis zu 125’000 Fahrzeuge. Neben dem regionalen Pendlerverkehr nutzt auch der internationale Personen- und Güterverkehr die dicht befahrene A2.

Warum die Sanierung nicht länger warten konnte

Viele Bauwerke stammen aus einer Zeit, in der deutlich weniger und leichtere Fahrzeuge unterwegs waren. Nach Angaben des ASTRA wurden zahlreiche Konstruktionen ursprünglich für Lastwagen mit einem maximalen Gewicht von 28 Tonnen ausgelegt. Heute dürfen reguläre Lastwagen bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht erreichen.

Nicht nur das Gewicht hat zugenommen. Auch die Zahl der Fahrzeuge liegt weit über den früheren Planungswerten. Diese Dauerbelastung hinterlässt Spuren. Das ASTRA nennt unter anderem tiefe Spurrinnen, Schlaglöcher, Korrosion und abgeplatzte Betonteile. Fahrbahnübergänge, Abdichtungen, Entwässerungen und Brückenlager altern ebenfalls.

Solche Schäden sind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass ein Bauwerk unmittelbar unsicher ist. Sie müssen jedoch rechtzeitig behoben werden. Dringt Wasser in Beton und Fugen ein, kann es die Korrosion der Bewehrung beschleunigen. Kleine Schäden entwickeln sich dann zu aufwendigen Instandsetzungsfällen.

17 Projektelemente statt einer einzigen Grossbaustelle

Die Erhaltungsmassnahmen verteilen sich auf 17 einzelne Projektelemente. Dazu gehören neun Brücken, mehrere Unterführungen, der Tunnel Schwarzwald, die aufgeständerte Schwarzwaldallee sowie die technische Betriebs- und Sicherheitsausrüstung.

Bereits abgeschlossen wurden unter anderem die Belagserneuerung bei Gellert, Arbeiten an der Brücke Singer, neue Mittelstreifenüberfahrten beim Schwarzwaldtunnel sowie die Instandsetzung der Grenzbrücke. Auch die Brücke Lehenmatt, die Brücke Birs mit ihren Rampen und die aufgeständerte Schwarzwaldallee wurden bearbeitet.

Weitere Abschnitte folgen etappenweise. Die Gesamtkosten gibt das ASTRA mit rund 285 Millionen Franken an. Ziel ist es, die Funktionsfähigkeit der Osttangente für weitere 20 bis 25 Jahre zu sichern.

Brücken müssen schwerere Lasten tragen

Bei den Brücken reicht ein neuer Fahrbahnbelag allein nicht aus. Je nach Zustand werden Betonflächen instand gesetzt, Brückenplatten und Stützkonstruktionen verstärkt, Fahrbahnübergänge ersetzt und Lager kontrolliert oder erneuert. Auch Entwässerung und Korrosionsschutz spielen eine wichtige Rolle.

Gleichzeitig verbessert das ASTRA die Erdbebensicherheit. Basel liegt in einer Region mit vergleichsweise hoher seismischer Gefährdung. Bestehende Bauwerke werden deshalb bei einer umfassenden Sanierung soweit erforderlich an neuere Erkenntnisse und Vorgaben angepasst.

Warum Materialwahl, konstruktive Details und ein gut geplanter Unterhalt für die Lebensdauer von Brücken entscheidend sind, zeigt auch der Beitrag über dauerhafte Materialien in der Brückenarchitektur.


Bei der Gesamtsanierung werden Fahrbahnbeläge, Abdichtungen und zahlreiche Bauteile erneuert. Die Arbeiten erfolgen etappenweise, weil die Osttangente tagsüber weitgehend befahrbar bleiben muss.

Der Schwarzwaldtunnel wird sicherer

Im Tunnel Schwarzwald ist der alte Strassenbelag durch die jahrzehntelange Nutzung glatt und ausgefahren. Zusätzlich weist der Beton Schäden durch Spritzwasser und eindringendes Regenwasser auf. Neue Abdichtungen sollen verhindern, dass sich diese Probleme wiederholen.

Besondere Aufmerksamkeit erhalten die Fluchtwege. Treppenhäuser und Notausgänge sollen künftig mit Überdruck belüftet werden. Bei einem Brand erschwert dieses System das Eindringen von Rauch. Zwischen den beiden Tunnelröhren entsteht zudem ein zusätzlicher Durchgang. Im Notfall können Menschen dadurch schneller in die nicht betroffene Röhre gelangen.

Auch die technische Ausrüstung wird modernisiert. Dazu zählen Signalisation, Energieversorgung, Kommunikationseinrichtungen, Verkehrszähler und optische Leitsysteme. Beleuchtungen werden teilweise auf LED-Technik umgestellt. Nicht mehr benötigte Anlagen können entfallen, was den Energieverbrauch reduziert und den späteren Unterhalt vereinfacht.

Aktuelle Arbeiten im Sommer 2026

Seit März 2025 konzentrieren sich die Arbeiten besonders auf den Tunnel Schwarzwald und die Brücke Bäumlihof. Im Sommer 2026 folgt eine intensive Phase.

Vom 14. Juni bis zum 4. September 2026 wird der Belag im Schwarzwaldtunnel in beiden Fahrtrichtungen vollständig erneuert. Weil dies nicht unter laufendem Verkehr möglich ist, wird der Tunnel in den betroffenen Nächten von 22 bis 5 Uhr gesperrt. Die Wochenendnächte sind ausgenommen. Der Verkehr wird über das nachgelagerte Strassennetz geführt.

Auch auf der Brücke Bäumlihof sind nächtliche Sperrungen erforderlich. Vom 21. Juni bis zum 3. Juli sowie erneut vom 19. Juli bis zum 4. September 2026 werden Verkehrsführungen angepasst, Markierungen angebracht und Lärmschutzwände sowie Signale montiert. Auch hier gelten die Sperrzeiten von 22 bis 5 Uhr ohne Wochenendnächte.

Termine bei Strassenarbeiten können sich durch Wetter, technische Schwierigkeiten oder den Bauablauf verändern. Wer nachts durch Basel fahren muss, sollte deshalb vor der Abfahrt die aktuellen Verkehrsmeldungen des ASTRA und die örtliche Signalisation prüfen.


Arbeiten, die unter laufendem Verkehr nicht sicher möglich sind, werden nachts ausgeführt. Im Sommer 2026 betrifft dies besonders den Tunnel Schwarzwald und die Brücke Bäumlihof.

Bauen, während täglich Tausende Fahrzeuge vorbeifahren

Die zentrale Herausforderung besteht darin, eine stark belastete Autobahn zu erneuern, ohne sie über Jahre vom Verkehr zu trennen. Deshalb wird jeweils nur ein begrenzter Abschnitt bearbeitet. Spuren werden verschwenkt, zeitweise verengt oder in einzelnen Bauphasen reduziert.

Arbeiten, die sich mit einer sicheren Verkehrsführung vereinbaren lassen, finden möglichst tagsüber statt. Für Bauphasenumstellungen, Markierungen, Belagsarbeiten oder Montagen über der Fahrbahn sind dagegen nächtliche Sperrungen nötig.

Diese Bauweise verlangt eine präzise Logistik. Material, Maschinen und Personal müssen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Verzögerungen können sich direkt auf die nächste Verkehrsfreigabe auswirken. Gleichzeitig arbeiten die Beschäftigten teilweise nur wenige Meter neben dem rollenden Verkehr.

Auch beim Einbau des neuen Belags kommt es auf Temperatur, Transport und Verdichtung an. Der Ratgeber über das Asphaltieren bei sommerlicher Hitze erklärt, weshalb warme Bedingungen die Verarbeitung erleichtern können, aber Mensch und Material stark belasten.

Lärmschutz ist Teil der Erneuerung

Die Osttangente verläuft unmittelbar an dicht bewohnten Quartieren vorbei. Verkehrslärm ist deshalb nicht nur eine technische Nebenfrage. Wo es möglich ist, baut das ASTRA lärmarme Fahrbahnbeläge ein. Bestehende Lärmschutzwände werden erneuert, verlängert oder durch stärker schallabsorbierende Elemente ersetzt.

Solche Kassetten besitzen eine strukturierte Oberfläche. Sie nehmen einen Teil der Schallenergie auf, statt sie vollständig in die Umgebung zurückzuwerfen. Am Schwarzwaldtunnel werden die Anlagen besonders in den Portalbereichen erneuert und erweitert. Auf der Brücke Bäumlihof wird die bestehende Lärmschutzwand bis in Richtung Tinguely-Museum verlängert.

Die Bauarbeiten selbst verursachen allerdings ebenfalls Lärm. Das ASTRA lässt deshalb den grössten Teil der Arbeiten tagsüber ausführen. Bei unvermeidbaren Nachtarbeiten sollen lärmdämpfende Verfahren und eine begrenzte Einsatzdauer die Belastung reduzieren.

Wenn sich der Verkehr in die Quartiere verlagert

Baustellen auf einer Stadtautobahn bleiben nicht auf deren Fahrbahnen beschränkt. Sobald Spuren fehlen oder nachts ein Abschnitt geschlossen wird, weichen Fahrzeuge auf das städtische Netz aus. Besonders betroffen sind Strassen, die parallel zur Osttangente verlaufen oder als lokale Umleitung dienen.

Der Kanton Basel-Stadt stellte im Juni 2026 fest, dass die Arbeiten die bereits angespannte Verkehrslage auf der Birsstrasse zusätzlich verschärft haben. Die Buslinien 36 und 46 verzeichneten zu Spitzenzeiten Verspätungen von bis zu neun Minuten. Zwischen Stadionstrasse und Redingstrasse wurde deshalb eine Busspur in Fahrtrichtung Kleinhüningen beschlossen, die auch Velofahrende benutzen dürfen.

Das Beispiel zeigt, wie eng Nationalstrasse und Stadtverkehr zusammenhängen. Eine Baustelle auf der Autobahn kann Fahrpläne, Schulwege, Lieferverkehr und die Erreichbarkeit ganzer Quartiere beeinflussen.

Was Autofahrende beachten sollten

In Baustellenbereichen können Spuren schmaler ausfallen und mehrfach verschwenkt werden. Eine reduzierte Geschwindigkeit ist dort keine reine Vorsichtsmassnahme. Sie sorgt dafür, dass auch lange Fahrzeuge enge Linien sicher befahren können, und schützt die Arbeiter neben der Fahrbahn.

Wichtig sind ein ausreichend grosser Abstand, eine gleichmässige Geschwindigkeit und der frühzeitige Spurwechsel. Reissverschlussverkehr funktioniert am besten, wenn beide Spuren bis zur Verengung genutzt werden und das Einordnen anschliessend abwechselnd erfolgt.

Während der angekündigten Nachtsperrungen sollten Ortskundige nicht eigenmächtig durch Wohnquartiere abkürzen. Die markierten Umleitungen sind auf die verfügbare Strassenkapazität abgestimmt. Navigationsgeräte können dagegen mehrere Fahrzeuge gleichzeitig auf ungeeignete Nebenstrassen schicken.

Sanierung und Rheintunnel sind zwei verschiedene Vorhaben

Die laufende Erhaltung der Osttangente darf nicht mit dem geplanten Rheintunnel verwechselt werden. Die Sanierung erhält bestehende Bauwerke, erneuert die Technik und erhöht die Sicherheit. Sie schafft keine neue Autobahnverbindung.

Der Rheintunnel war dagegen Bestandteil des Ausbauschritts 2023 für die Nationalstrassen. Das Schweizer Stimmvolk lehnte das Gesamtpaket am 24. November 2024 mit 52,7 Prozent Nein-Stimmen ab. Die darin enthaltenen sechs Ausbauprojekte werden gemäss UVEK nicht umgesetzt.

Die Erhaltung der bestehenden Osttangente bleibt davon unberührt. Unabhängig von politischen Entscheiden über einen späteren Ausbau müssen Fahrbahn, Brücken und Tunnel sicher und funktionsfähig bleiben.

Video-Tipp: Mit dem Auto über die Basler A2 und A3

Die Fahrtaufnahme zeigt die Autobahnen A2 und A3 im Raum Basel aus der Fahrerperspektive. Dadurch wird sichtbar, wie eng Anschlüsse, Tunnel, Brücken und städtische Bebauung entlang der Strecke aufeinanderfolgen.



Fazit

Die Basler Osttangente ist weit mehr als eine kurze Stadtautobahn. Sie verbindet Quartiere, Regionen und Länder. Gleichzeitig führt sie auf engem Raum durch dicht bewohntes Gebiet. Genau diese Kombination macht ihre Sanierung so anspruchsvoll.

Bis 2029 werden 17 Projektelemente für rund 285 Millionen Franken erneuert. Brücken werden verstärkt, Fahrbahnen ersetzt, Fluchtwege verbessert und technische Anlagen modernisiert. Hinzu kommen neue oder erweiterte Lärmschutzmassnahmen.

Ganz ohne Stau, Lärm und nächtliche Sperrungen lässt sich ein solches Projekt nicht umsetzen. Die etappenweise Bauweise verhindert jedoch, dass eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Schweiz über längere Zeit vollständig ausfällt. Am Ende soll die Osttangente für weitere 20 bis 25 Jahre zuverlässig funktionieren.

 

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