Archäologische Funde bringen Klarheit zur Bauweise des 2100 Jahre alten Keltenwalls
von belmedia Redaktion Allgemein Arbeitswelt Archäologie architektenwelt.com Architektur Basel-Landschaft bauenaktuell.ch Bauwerke Behörden Beruf Beschäftigung Betrieb Bildung Bildung & Arbeit Denkmalpflege denkmalpflege-schweiz.ch Denkmalschutz Experten Forschung Infrastruktur Kultur Magazine Museum nachrichtenticker.ch News Organisationen Orte Projekte Regionen Schule Schweiz Schweiz Technik Themen Verbreitung
Bei archäologischen Ausgrabungen an der Rittergasse 4 konnten wichtige neue Erkenntnisse zur Holzkonstruktion des rund 2100 Jahre alten, spätkeltischen Murus Gallicus gewonnen werden. Die in den Sommerferien beginnenden Bauarbeiten zur Umgestaltung der Archäologischen Informationsstelle „Basel, 80 v. Chr. Murus Gallicus – Der Keltenwall“ erforderten vorgängig archäologische Untersuchungen.
Geplant sind ein unterirdischer Besucherraum, der von der Rittergasse aus zugänglich ist, und zwei Baukörper, welche die Höhe und den Verlauf des Keltenwalls aufnehmen.
Der Murus Gallicus stellt die erste massive Befestigung des Münsterhügels dar. Er steht am Anfang einer kontinuierlichen Entwicklung der Stadt Basel. Vor rund 2100 Jahren entstand im Schutze dieses sechs Meter hohen Walls und eines 30 Meter breiten Grabens eine keltische Siedlung. Im Untergrund des Pausenplatzes der Primarschule Rittergasse liegen die Überreste dieser spätkeltischen Wehranlage. Bisher war die Präsentation der Fundstelle mit der Pausenhof-Nutzung nur begrenzt kompatibel, weshalb eine Umgestaltung notwendig wurde.
Diese schafft nun Abhilfe: Die archäologische Stätte wird räumlich vom Schulbetrieb getrennt und für Besucherinnen und Besucher direkt von der Rittergasse aus zugänglich gemacht.
Neue Erkenntnisse zum keltischen Wall
Bei den Ausgrabungen wurde ein Stück des Wallkörpers inklusive Reste diverser Holzkonstruktionen entdeckt, die präzisere Aufschlüsse zur Bauweise der Befestigungsanlage liefern. Bisher war unklar, ob der Murus Gallicus mehrere Bauphasen aufweist oder in einem Stück gebaut wurde und anschliessend relativ rasch wieder verfallen war. Die Holzkonstruktionen könnten nun Aufschluss darüber liefern.
Die Reste der Holzbalken bestehen aus mehreren Längs- und Querankerbalken, die bereits in der Eisenzeit im Feuer gehärtet wurden, vermutlich um sie länger haltbar zu machen. Um diese wertvollen archäologischen Zeugnisse im Labor untersuchen zu können, haben die Mitarbeitenden der Archäologischen Bodenforschung die Balkenreste eingegipst und als Blöcke geborgen. Die Hölzer wurden mittels eines Computertomographen geröntgt. Dies erlaubte es, die Jahrringe zu erkennen. Leider erfüllte sich die Hoffnung einer jahrringgenauen Datierung des Walls nicht. Bisher war die Anzahl der Jahrringe zu gering, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu gewinnen.
Handwerklich genutzter Platz am Rande der Siedlung
Während der Ausgrabung wurde auch die Berme, ein flacher Streifen von rund sechs Metern zwischen dem Wall und Graben tangiert. Hier konnten die Archäologinnen und Archäologen diverse handwerkliche Aktivitäten, wie etwa das Schmieden nachweisen. Solche Aktivitäten wurden in der Eisenzeit manchmal am Rand der Siedlungen ausgeführt, vermutlich aus Brandschutzgründen.
Nutzung in römischer Zeit und im frühen Mittelalter
Auch nach der Eisenzeit wurde dieser zentrale Ort weiterhin rege genutzt. In römischer Zeit wurde der Wall zusehends planiert, und es entstand eine kleine dörfliche Siedlung im südlichen Vorfeld des Grabens. Erst um 300 n. Chr. bauten die Römer in unmittelbarer Nähe des ursprünglichen keltischen Walls wiederum eine Befestigungsanlage und nutzten auch den bereits bestehenden Graben zu ihrem Vorteil. Im Mittelalter wurde der Ort als Siedlungsplatz und später auch als Bestattungsort genutzt.
Ausblick auf die umgestaltete Archäologische Informationsstelle
Die Informationsstelle wird ab September 2027 über einen Eingang direkt von der Rittergasse zu erreichen sein. Im unterirdischen Besucherraum können die archäologischen Funde und Befunde zur keltischen Befestigungsanlage aus unmittelbarer Nähe betrachtet werden. Oberirdisch verdeutlichen zwei Baukörper die Höhe und den Verlauf des spätkeltischen Verteidigungswalls. Herzstück der Ausstellung wird eine mediale Präsentation sein, welche die Geschichte des Murus Gallicus anhand eines erlebnisorientierten szenografischen Vermittlungskonzepts eindrücklich erlebbar macht.
Quelle: Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt
Bildquellen: Bild 1: Melvin Schär, Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt; sonstige Bilder: siehe Bildlegenden